Der Lachs: Sinnbild und Hoffnung

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Ziel des Lachsprojektes ist seine Wiederansiedlung im Bereich der Oberrheinzuflüsse. Auf der deutschen Seite des Rheins sind dies Alb, Murg, Oos, Rench und Kinzig – so weit ist der Rhein  für Wanderfische durchlässig, weiter flussaufwärts versperren ihm unüberwindbare Staustufen den Weg.
Dank eines wachsenden Verständnisses für die Umwelt, eines verantwortungsvolleren Umgangs mit natürlichen Ressourcen sowie des unermüdlichen Einsatzes zahlreicher Helfer über Jahre hinweg verzeichnet das Lachsprojekt in den letzten Jahren gute Erfolge.
Etwas schüchtern und zaghaft sind seine ersten Schritte noch, doch der König der Schwarzwaldflüsse kehrt zurück.

Vor 200 Jahren

An der Murg, die bei Rastatt in den Rhein mündet, lebten einst eine ganze Reihe von Dörfern vom Lachsfang. Wer dort als Magd oder Knecht anheuerte, der ließ sich der Legende nach schriftlich vom Bauern versichern, dass nicht täglich nur Lachs auf den Tisch kommt.
Die Murg war der wichtigste Lachsfluss im Schwarzwald. Sie war die Kinderstube zahlreicher Atlantischer Lachse, die hier schlüpften und ihre Jugend verbrachten, bevor sie nach zwei Jahren ins Meer abwanderten. Ein bis drei Jahre später sollten sie als ausgewachsene Fische von über einem Meter Länge zum Laichen in ihre Heimat zurückkehren.

Vor 100 Jahren

Noch stiegen zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Lachse zu Hunderten. Doch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes, die Errichtung unüberwindbarer Hindernisse, die sie vom Wandern abhielten, und eine nachlassende Gewässerqualität forderten ihren Tribut.
In der Murg wurde der letzte Lachs zwar erst 1925 gefangen, doch da konnte schon lange niemand mehr von diesen Fängen leben.
Lediglich Ortsnamen wie „Salmengrund“ oder „Salmenkopf“ sollten in den kommenden Jahrzehnten noch daran erinnern, dass der Lachs einst im Schwarzwald zu Hause war.

Heute für eine bessere Zukunft

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Seit über fünfzehn Jahren besteht in Baden-Württemberg ein koordiniertes und international abgestimmtes Lachs-Programm: Gewässer werden renaturiert, in den historischen Lachsgewässern werden Eier und Jungfische ausgesetzt.
Der Lachs ist zu einem Sinnbild der Hoffnung geworden: Es ist offensichtlich noch nicht zu spät zum Umkehren.
Er ist das Krafttier einer ganzen Bewegung, die für eine intakte Umwelt kämpft: Wo der Lachs einen Lebensraum findet, da haben auch alle anderen autochthonen Flussbewohner eine Heimat.

Mäander e.V.: Naturschutz auch unter der Wasseroberfläche

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Mäander e.V. wurde im Jahre 1991 gegründet, 5 Jahre nach der Sandoz-Katastrophe, die ein großes Fischsterben ausgelöst hatte. Seitdem ist nicht nur der Rhein deutlich sauberer geworden, auch mancher Zufluss wird wieder zum naturnahen Lebensraum für Fauna und Flora.
Mit Hilfe von Mäander e.V. sind an der Murg seit 1999 das Oberndorfer Wehr, das Esselwehr in Hörden sowie ein Wehr und eine Retentionsfläche in Rotenfels wanderfischgerecht umgestaltet worden.
Mit beeindruckenden Ergebnissen: 2005 wurde in Rotenfels im Auslauf einer Kraftwerksturbine erstmals wieder eine Lachslaichgrube entdeckt. 2011 gelangen dann auch spektakuläre Aufnahmen von Elterntieren, die nach langer Wanderschaft zum Laichen in die Murg heimgekehrt waren.